Ein Tag mit…

Ein Tag mit…

Es ist noch dunkel als ich mich aus dem Bett schwinge und nach dem Rock greife. Nach einem kleinen Frühstück verlasse ich das Haus und da ich meinen eigenen Atem sehe, bin ich nicht nur an der Strumpfhose unter dem Rock, sondern auch über die doppelte Lage Jacken froh. Auf dem Weg zur Arbeit, genauer gesagt zur Schule, begegnen mir schon die ersten Schüler, aber auch sonst sind schon einige Menschen auf den Beinen.

Ludewa
Ludewa morgens

Außerdem viele Tiere: Während Ziegen oder Kühe öfters an einem Pfahl angebunden sind, spazieren Hühner ganz frei herum. Manche tragen als Erkennungszeichen ein Stück Stoff im Gefieder. Gemeinsam haben alle, dass sie als Nutztiere gehalten werden. So gibt es auch die begriffliche Ähnlichkeit von Tier („mnyama“) und Fleisch („nyama“), ein Tier ist sozusagen Fleisch mit Lebewesenpräfix.

Als ich nach einer halben Stunde Fußmarsch an der Schule ankomme, sind die Schüler noch dabei den Schulhof zu kehren. So ist auch der Kreidekreis auf der Erde von meinem gestrigen Unterricht verschwunden.

Vier Unterrichtsstunden und die Flächeninhalte verschiedenster Formen später sitze ich an der Schulküche und werde von der Schulköchin Mama Neema auf Kimanda begrüßt. Kimanda ist eine mehrerer lokaler Sprachen, die hier in der Umgebung gesprochen werden. Die meisten Tansanier haben neben Suaheli noch eine lokale Bantusprache als zweite Muttersprache – ich bin schon froh darüber in jeder lokalen Sprache die richtigen Begrüßungen parat zu haben.

Ich bekomme von ihr ein Stück Süßkartoffel, diese wird zuerst gekocht und anschließend kurz ins heiße Fett geworfen, und wir reden ein bisschen, bevor ich nach der Pause zurück ins Klassenzimmer gehe. Übrigens heißt Mama Neema nicht selber Neema. Neema ist der Name ihrer ältesten Tochter. Mama ist hier fast schon eine Art Ehrentitel, es bedeutet nämlich, dass man erfolgreich Kinder großzieht oder großgezogen hat. Deshalb wird man nach dem ersten Kind benannt. Meine Mutter würde also ganz offiziell „Mama Katharina“ heißen.
Nach einer weiteren Doppelstunde Mathe ist Mittagspause und alle Schüler strömen Richtung Mittagessen. An der einen Seite der Schulküche gibt es für jeden einen Stich Maisbrei, Ugali genannt, auf der anderen Seite folgt ein Schöpfer Bohnen aus einem Topf mit einem Durchmesser von einem Meter.

Schulküche
Schulküche
Ugali
Ugali (Maisbrei)

Als Nachmittagsprogramm steht heute Debatte auf dem Stundenplan. Auch ich lausche der Diskussion über Vor- und Nachteile öffentlicher und privater Schulen. Wer hier genügend Geld hat, verwendet dieses gerne, um den Kindern Privatschulbildung zu ermöglichen. Gerade zu dieser Zeit finde ich es sinnvoll angelegt, da die Schülerzahlen seit der Abschaffung der Schulgebühren vor kurzem rapide gestiegen sind. Dadurch kommen die staatlichen Schulen mit Ressourcen und qualifizierten Lehrkräften kaum hinterher. Umso mehr freute auch ich mich, als vor einigen Wochen mein Unterricht ausfiel, weil die gesamte Form 1 in den Ort laufen sollte, um Tische und Stühle zu holen.

Später auf dem Heimweg bringe ich vom Markt Tomaten mit und schaue auf der Post vorbei. Für mich ist leider nichts angekommen. Zuhause alles abgestellt ist es schon später Nachmittag und ich mache mich mit meiner Mitbewohnerin, der einzigen anderen Weißen im Umkreis von 150km, auf den Weg zu einer Joggingrunde – auch angenehm in Anbetracht der kalten Dusche hinterher. Unser Joggen führt zu dem ein oder anderen Lacher seitens der Tansanier, die wir treffen. Auch ein paar meiner Schüler, die noch auf dem Heimweg sind – aufgrund der Entfernung zur Schule würde ich ihren Schulweg auf über eine Stunde schätzen – und mit „Shikamoo“ grüßen. Eine Begrüßung die Älteren oder höher Gestellten gegenüber verwendet wird und wörtlich von „ich halte deine Füße“ abgeleitet ist. Besonders wenn man hier einmal auf den staubigen Straßen unterwegs war, kann man die Herkunft dieses Grußes nachvollziehen.
Später, nachdem gekocht und gegessen ist, werden noch die letzten Vorbereitungen für den morgigen Unterricht getroffen und ich mache mich müde auf den Weg ins Bett.

Lembuka Aufbau
Lembuka Aufbau
Lembuka
24h später: Lembuka
Primary School Schüler
ein Schüler der Grundschule

Liebe Grüße aus Ludewa,

Katharina

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Weil die Uhren etwas anders ticken

Weil die Uhren etwas anders ticken

Die Zeit vergeht anders in Tansania und das in vielerlei Hinsicht. Es beginnt bereits bei der Uhrzeit. Mit dem Sonnenaufgang gegen sechs Uhr am Morgen beginnt nicht nur der Tag, sondern auch das Zählen der Stunden auf dem Ziffernblatt. Man startet somit morgens um 6 Uhr bei null. So ist mit ,,saa saba‘‘ (deutsch: ,,Stunde sieben‘‘) also nicht das deutsche ,,7.00 Uhr‘‘ gemeint, sondern 11 Uhr am Morgen oder 11 Uhr am Abend. Die Suaheli-Uhrzeitenbezeichnung ist im Vergleich zur englischen Zeitbezeichnung um sechs Stunden verschoben. Dementsprechend beginnt der Unterricht kurz vor zwei, um halb acht wird zum Mittagessen geläutet und um vier Uhr macht man sich auf den Weg ins Bett.

Darüber hinaus hat die Zeit einen ganz anderen Stellenwert. Wenn sich Besuch auf 10 Uhr ankündigt, braucht man vor elf mit niemandem zu rechnen, auch bis halb zwölf kommt wahrscheinlich niemand vorbei. Wenn es ganz ungeschickt läuft kommt der Gast auch erst am kommenden Tag oder gar nicht. Oft reicht es auch eine Tageszeit zu sagen: ,,Ich komme am Abend vorbei‘‘ ist eine ebenso genaue Angabe, wie eine Uhrzeit zu nennen.
Oft fallen äußere Einflüsse außerdem anders ins Gewicht. Stromausfall, wenn es anfängt zu regnen, möchte man nicht vollkommen verschlammt sein und auch das Ankommen des Busses variiert straßenbedingt bis zu mehreren Stunden.

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passend zum langen Reisen ein paar Bilder aus dem Busfenster

Des Weiteren ist es selbstverständlich Bekannten unterwegs zu helfen und dafür lieber zu spät zu einem Termin zu kommen. Das beinhaltet auch die Begrüßung sämtlicher Personen. Im Allgemeinen fällt die Begrüßung im Vergleich zu Deutschland viel umfangreicher aus. Man wünscht sich einen guten Morgen, fragt nach der Familie und wie die Reise war, um anschließend noch Grüße an alle auszurichten.

Wer mit seinem deutschen Zeitverständnis kommt, kann an dieser Unpünktlichkeit leicht mal verzweifeln. Bei der Erklärung eines Tansaniers kam das Argument auf, dass früher viele Menschen hauptsächlich Bauern waren. Man macht sich ,,morgens‘‘ auf den Weg zur Arbeit, steht aber nicht um Punkt sieben in der Frühe auf dem eigenen Feld, wenn eine andere Arbeitseinteilung gerade sinnvoller ist.
Gleichzeitig ist der Tagesablauf vielmehr an Tag und Nacht gebunden. Viele Teile des Lebens finden draußen statt. Oft wird nicht im Haus gekocht und gesessen, man arbeitet draußen und hält sich dort auch auf. So endet auch der Tag mit der aufkommenden Dunkelheit beim Untergehen der Sonne. Und ohne Straßenlaternen bedeutet Nacht wirklich absolute Dunkelheit.

Mit lieben Grüßen und einen großen Sorry für den verspäteten Blogeintrag (über 10 Monate Tansania gehen nicht spurlos an einem vorüber ;))

Katharina IMG_20170630_103813IMG_20170629_093059

Wer mich auch finanziell etwas unterstützen möchte, kann dies hier gerne tun:

Spendenkonto: Empfänger:Diakonisches Werk Württemberg ● Evangelische Bank eG ● IBAN: DE70 5206 0410 0000 4050 78 ● BIC: GENODEF1EK1 ●  Betreff: x-change weltwärts Katharina Leibfarth

10 Dinge, an denen man merkt, Freiwillige im Süden Tansanias zu sein

10 Dinge, an denen man merkt, Freiwillige im Süden Tansanias zu sein

… wenn man morgens beim Anziehen ganz selbstverständlich nach dem langen Rock greift.

… wenn man beim Betreten des Klassenzimmers denkt: ,, Die Klasse ist so klein, wo sind meine ganzen Schüler? ‘‘. (Als aus 2 Klassen 3 gemacht wurden und anstatt 70 Schülerinnen und Schülern nur noch knappe 50 vor mir saßen.)

… wenn man beim Spülen schmunzeln muss, da auf der Unterseite einer Tasse ,,dish washer and microwave safe‘‘ steht.

… wenn man Nutella durch das halbe Land transportiert – der Mensch hat ja auch Bedürfnisse.

… wenn man eine halbe Stunde mit dem Abzieher, der eigentlich für‘s Bad gedacht ist, Wasser aus dem Wohnzimmer schiebt – es hat geregnet.

… wenn nach dem Waschen (da sie draußen unerwünscht ist) eine Girlande aus Unterwäsche das Wohnzimmer schmückt.

… wenn die Artenvielfalt in der Wohnung größer ist als die auf dem Teller.

… wenn es vorkommen kann, dass man seinen Wohnort mehrere Monate nicht verlässt. (Die Entfernungen sind einfach andere…)

… wenn man dann doch mal verreist und den ersten anderen Weißen, den man sieht, eine Sekunde länger anschaut als normal.

… wenn Stromausfall ist, man somit auch kein fließend Wasser hat und man mit seiner Mitbewohnerin ,,Schere, Stein, Papier‘‘ spielt, wer zur Wasserstelle laufen muss, um Wasser zu holen. Wir spielen ohne Brunnen 😉

Mit humorvollen Grüßen 😉
Katharina

IMG_20170415_084643.jpgIch war über Ostern ein paar Tage unterwegs. Auf dem Heimweg wurde ein Teil der Busfahrt zu Fuß zurückgelegt, die Straße war etwas matschig. IMG_20170422_153757

Schule in Tansania – Madam Katharina

Schule in Tansania – Madam Katharina

Madam Katharina – so werde ich von meinen Schülern in der Schule genannt.
Genauer gesagt an der Chief Kidulile Secondary School in Ludewa, meinem derzeitigen Zuhause im Süden Tansanias.

Die Schule liegt am Ortsrand, so durchquere ich wie jeden Tag den Ort, laufe einen kleinen Berg hinunter, über Steine über den Fluss – nach Regentagen muss ich einen Umweg über die Brücke nehmen – und den Hügel auf der anderen Seite hinauf. Als ich eine halbe Stunde später die dort gelegene Schule erreiche, wird gerade die Schulglocke geläutet und alle 600 Schülerinnen und Schüler strömen in Richtung des Vorplatzes der Schule.

Während meine Arbeit im Moment beginnt, waren einige Schüler bereits mit dem Kehren und Instandhalten des Schulhofs beschäftigt. Des Weiteren gehört es zu den morgendlichen Aufgaben der Schüler, Wasser für die Küche zu holen, denn aus der Wasserleitung der Schule kommt nicht immer Wasser. Außerdem kann zusätzliches Wasserholen ganz gut als Bestrafungsmethode genutzt werden. Bei dem Stichwort ,,extra Küchenarbeit“ steigt die Bereitschaft Hausaufgaben zu machen aus heiterem Himmel 😉

Schule
die Schule von vorne
Tansania (2419)
Versammlung

Mungu ibariki Afrika… (Gott segne Afrika)
…ist Anfang der tansanischen Hymne.

Da heute Montag ist, gibt es eine längere Versammlung, an den restlichen Tagen werden morgens nur Ankündigungen gemacht und die wichtigsten Informationen weitergegeben. Kurze Zeit später haben sich alle nach Klassenstufen sortiert aufgestellt. Es gibt Ansagen, die Nationalhymne und das Schullied werden gesungen und die Flagge gehisst. Als zum Ende erneut die Schulglocke geläutet wird und die Schüler sich auf den Weg in ihre Klassenzimmer machen, gehe auch ich mit Lineal und Kreide bewaffnet in meinen Unterricht.

Meine Aufgabe ist der Mathematikunterricht für die Form 1, die erste Klassenstufe der Secondary School, vergleichbar mit der achten Klasse in Deutschland. Die 150 Schülerinnen und Schüler der Form 1, sind aufgeteilt in drei Klassen und haben jeweils drei Doppelstunden Mathe pro Woche.

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Als ich das Klassenzimmer betrete, werde ich von knapp 50, in dunkelroter Schuluniform gekleideten, Jungs und Mädels begrüßt.
Tansania (2571)Ich starte meinen Unterricht auf Englisch, der offiziellen Unterrichtssprache an Tansanias weiterführenden Schulen. Ich erkläre und zeige Dinge an der Tafel, welche mit schwarzer Farbe an die Wand gemalt ist. Einige Wörter und Fragen wiederhole ich auf Suaheli, das steigert die Beteiligung. Da meine Schüler erst seit drei Monaten an der Schule sind – das tansanische Schuljahr wechselt im Einklang mit dem Kalenderjahr – und davor auf die Primary School, die Grundschule, an welcher auf Suaheli unterrichtet wird, gingen, ist der Unterricht auf Englisch eine Herausforderung. So unterrichten die meisten Lehrer mit Hilfe einer Mischung beider Sprachen. Tansania (2483)

Während die Primary School sieben Schuljahre dauert, umfasst die Secondary School weitere sechs Jahre. Davon sind die ersten vier Jahre, die man mit dem O – level, der mittleren Reife, abschließt, seit gut einem Jahr kostenlos.
Wer weitere zwei Jahre anhängt, hat anschließend sein A – level in der Tasche, welches sich mit dem deutschen Abitur vergleichen lässt.
Während dieser 2 Jahre wohnen die Schüler an der Schule und müssen Schulgebühren bezahlen, die aber auch Unterbringung und Verpflegung beinhalten. Dass die älteren Schüler an der Schule wohnen, liegt daran, dass man in Tansania die letzen zwei Jahre nicht im Heimatort zur Schule geht, sonderen in einem anderen Teil des Landes. So kommen die Oberstufenschüler aus dem ganzen Land verstreut.

Nach den ersten vier Schulstunden haben meine Schüler große Pause, für mich heißt das Besprechung im Lehrerzimmer. Es folgen weitere vier Stunden, anschließend gibt es für alle Ugali, festen Maisbrei, mit Bohnen zum Mittagessen.

Schule
Schulküche

Bevor um halb vier der Schultag endet, gibt es verschiedene Nachmittagsaktivitäten. An manchen Tagen handelt es sich dabei um ,,shamba-work‘‘ (Feldarbeit auf den Feldern der Schule), an anderen stehen Debatte oder Gesundheitslehre auf dem Programm. Dabei wird über aktuelle Themen diskutiert, beispielsweise, ob parlamentarische Debatten live im Fernsehen übertragen werden sollten, oder über HIV-Prävention geredet.

So endet anschließend der erste Schultag der Woche. Das Vorhängeschloss am Lehrerzimmer wird abgeschlossen und Schüler, als auch Lehrer machen sich auf den Heimweg. Am nächsten Morgen beginnt ein neuer Tag an der Chief Kidulile Secondary School, der zwar einerseits nach ungefähr demselben Muster ablaufen, andererseits gewiss genügend Überraschungen bereit halten wird – sei es nur das verfrühte Ende des Unterrichts, weil der Regen auf dem Wellblechdach des Klassenzimmers ein Trommelkonzert veranstaltet, das jedes Wort unverständlich macht oder eine anregende Unterhaltung auf dem Nachhauseweg.

Letztendlich bleibt zu sagen, die grundlegenden Dinge an der Schule sind doch sehr ähnlich: Lernen, Unterricht, Klassenarbeiten, Hausaufgaben, Ferien und gelegentliches Reden im Unterricht – auch wenn es häufig die Frage nach dem Bleistift an den Nebensitzer, der auf dem gleichen Stuhl sitzt, oder die Bitte nach einem Radiergummi vom anderen Ende des Klassenzimmers ist 😉

Mit schulischen Grüßen,
Katharina

Schule

Tansania (2558)
im Unterricht

Reisebericht #2 Sansibar: Stown Town, Strand und Sonnenbrille

Reisebericht #2 Sansibar: Stown Town, Strand und Sonnenbrille

Hier kommt der zweite Teil meiner Reise, der sich um Sansibar dreht, wohin wir mit der Fähre von Daressalam übersetzten. Wer nicht (mehr) weiß, was bisher geschah, findet hier den ersten Teil meiner Reise, der sich um Iringa und Daressalam dreht.

Stown Town
4) Tansania (515)pixlr_201702051323509464) Tansania (509)An unserem ersten Morgen in Stown Town erklommen wir das Dach des Hotels, um dort gemütlich zu frühstücken. Anschließend machten wir uns auf, um die Stadt unsicher zu machen. Unser Weg führte uns als erstes in Palace Museum, dem ehemaligen Palast des Sultans. (Dort hing neben ,,Sissi & Franz‘‘ auch ein Gemälde der Queen).

Sultanspalast
im Palast des Sultans

Durch den Garten des Palasts gelangten wir anschließend zum ,,House of Wonders‘‘, das seinen Namen damals dem Strom, fließend Wasser und dem eingebauten Aufzug verdankte. Am Abend besuchten wir die Forodhani Gärten, eine kleiner Park in der Nähe des Hafens. Dort werden jeden Abend Grills und Stände aufgebaut, die verschiedenstes Essen anbieten. Wir aßen zu Abend und genossen die Atmosphäre, die in der Dämmerung mit den dort leuchtenden Gaslampen ein bisschen Weihnachtsmarktflair hatte. 4) Tansania (639)Anschließend schlenderten wir durch die dunklen Gassen zurück zum Hotel. Es tat gut, unser Bisschen an Sprachkenntnissen anwenden zu können, was wohl auch dazu beitrug, dass die Preise beim Handeln für uns anders waren 😉 Zusammen mit der Möglichkeit auch bei Dunkelheit noch nach Hause zu laufen, ein ziemlich gutes Gefühl.

Ansonsten besuchten wir in Stown Town noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit, unter anderem die Persischen Bäder und den ehemaligen Sklavenmarkt. Hier findet man heute eine Kirche und ein Museum zum Sklavenhandel – sehr interessant!

Denkmal Sklavenhandel
Denkmal Sklavenhandel

Auf dem Rückweg trafen wir auf diverse Feiertagsvorbereitungen, uns wurde erklärt, dass an diesem Tag der Geburtstag Mohammeds sei. Einerseits wirkte das fast ausschließlich muslimische Umfeld Stown Towns für mich ungewohnt, andererseits hatten die Menschen gleichzeitig etwas Vertrautes, da sie in Suaheli sprechen. Eine Sprache, die ich in der Zwischenzeit ein Stück weit verstehe und von der ich das letzte halbe Jahr täglich umgeben war.

Doch mein Highlight? Einfach durch die Straßen laufen – herausragendes Flair und allein schon lohnenswert wegen der kunstvoll gearbeiteten Türen! 4) Tansania (626)pixlr_201701050443449114) Tansania (605)

New Zanzibar
Plattenbauten mit der Unterstützung vom ,,deutschen Bruderland“: New Zanzibar

Paje
An unserem letzten Tag in Stown Town machten wir noch eine Gewürztour (fast schon ein Muss bei Sansibars Status als Gewürzinsel + interessant, die Pflanzen zu Zimt, Muskat und Co. zu sehen), bevor wir weiter nach Paje gingen. Dort an Sansibars Ostküste genossen wir einfach den Strand 😉 4) Tansania (809)

4) Tansania (724)

Mit lieben Grüßen und vielen Sonnenstrahlen,
Katharina

Ganz Alltägliches – kleine aber feine Unterschiede

Ganz Alltägliches – kleine aber feine Unterschiede

Sansibar, dem tansanischen Festland vorgelagerte Gewürzinseln mit Traumstränden, die weiten Ebenen der Serengeti und das Kilimanjaro-Massiv sind Orte, die vielen Menschen beim Stichwort ,,Tansania‘‘ in den Sinn kommen.

Außerdem hält das ostafrikanische Land, dessen Fläche ungefähr zweieinhalb Mal so groß ist wie die Deutschlands, einige Rekorde. Es grenzt nicht nur an drei der größten Seen Afrikas, sondern beheimatet mit dem Gipfel des Mount Kibo (Kilimanjaro) und dem Grund des Tanganjikasees gleichzeitig den höchsten und den tiefsten Punkt des Kontinents.

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am Horizont die Schule

Für mich hat das aber wenig mit dem Tansania zu tun, das ich tagtäglich erlebe. Zu meinem Alltag gehören dafür der Weg zur Arbeit, die Post oder Mülltrennung. Einerseits ganz alltägliche Dinge wie in Deutschland, andererseits darf man nicht vergessen, dass zwischen den beiden Ländern in puncto Wohlstand im weltweiten Vergleich mehr als 140 Plätze liegen. Zumindest laut Human Development Index der Vereinten Nationen, der Deutschland im Jahr 2014 auf Platz 6 platzierte.

So gibt es in alltäglichen Dingen kleine, aber feine Unterschiede. Anstatt Post im Briefkasten vorzufinden, kann man sich eine Postbox mieten, sodass man einfach immer mal wieder an der Post vorbeischaut, um Briefe oder Pakete abzuholen. Da nur wenige Straßen Namen haben – Hausnummer sucht man vergeblich – hätte es der Postbote auch sehr schwer.

So kommt es auch, dass man die Zeitung an der Bushaltestelle im Ort kauft. Morgens ist die neueste Zeitung die von vorgestern, abends kann man bereits die vom Vortag kaufen. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich mich in einer sehr ländlichen Region im Süden Tansanias befinde, die verglichen mit dem Norden des Landes weniger wohlhabend ist.

Obwohl im Vergleich zu Deutschland nicht so viele Menschen Zeitung lesen, die Nachrichten sind nur ,,von gestern‘‘, sind die Menschen trotzdem informiert. So gut wie jeder besitzt ein Handy, viele auch Smartphones, man ist also gut vernetzt. Darüber hinaus haben die meisten Personen sogar mehrere Mobiltelefone oder zumindest mehrere SIM-Karten, zwischen welchen alle paar Tage gewechselt wird, je nachdem welcher Anbieter gerade das beste Angebot bietet.
Außerdem kann dank M-Pesa über das Handy bezahlt werden. M-Pesa, was für ,,mobiles Geld‘‘ steht, ist ein ursprünglich aus Kenia stammendes bargeldloses Zahlungssystem, das auch in Tansania Einzug gehalten hat. Da es über das Handy funktioniert, stellt es vor allem in ländlichen Regionen eine gute Alternative zu einem Bankkonto dar.

Ein ganz anderes, aber im täglichen Leben nicht weniger präsentes Thema stellt der Müll dar. Auch hier in Ludewa wird dieser getrennt. Anstelle von gelbem Sack und Altpapier funktioniert meine Mülltrennung nach ,,fressen die Schweine der Nachbarn‘‘ oder nicht. Der Teil, der nicht verfüttert werden kann, landet in der Müllgrube, die man hinter den meisten Häusern findet. Diese muss ab und zu angezündet werden.

Bei Busfahrten, der wohl am verbreitesten Transportmöglichkeit über weitere Strecken, wird das Fenster geöffnet, um den Müll zu entsorgen. So fliegt gerne mal die leere Plastikflasche aus dem Busfenster.

Meiner Meinung nach ist das Busfahren sowieso ein Phänomen für sich: Ist es möglich in den vollen Bus – mit den mitfahrenden Passagieren könnte man bereits zwei weitere Fahrzeuge füllen – beim nächsten Halt noch mehr Fahrgäste aufzunehmen. Bei den folgenden Stopps steigen dann erneut mehrere Personen hinzu. Untermalt wird die Fahrt von tansanischer Musik in voller Lautstärke und den dazugehörenden Musikvideos. Dass ein Lied in Dauerschleife gespielt wird, scheint dabei niemanden zu stören. Für längere Strecken innerorts greifen viele auf das Pikipiki (Motorrad) zurück, von welchem es auch die Motorradtaxi-Variante gibt. Ansonsten werden die meisten Strecken zu Fuß zurückgelegt.

5) Tansania (467)
vor kurzem war der Prime Minister zu Besuch

,,Unser Land ist zwar arm, aber wir haben Frieden‘‘, erzählt mir ein Lehrer an meiner Schule. Er ist nicht der erste, von dem ich höre, wie glücklich er sich schätzen könne, dass Tansania ein friedliches Land sei. Zum einen ist allein die Tatsache in einem friedlichen und stabilen Land zu leben großartig, zum anderen ist es beeindruckend, wie bewusst sich die Menschen sind, wie gut sie es in diesem Punkt haben.

Auch das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionsgruppen, es gibt ungefähr gleich viele Christen wie Muslime, gestaltet sich friedlich. Das Land stand, bevor es zuerst unter deutscher, anschließend unter britischer Herrschaft war, in den Küstenregionen unter arabischem Einfluss. Daher gibt es im Norden und an der Küste mehr Muslime, während das Binnenland hauptsächlich christlich ist.
Die Kirche bei mir im Ort ist ein größeres, nicht besonders altes Haus. Der Innenraum ist mit farbigen Tüchern und Kunstblumen geschmückt, die Kirchenglocke hängt an einem Baum vor dem Gebäude

Kirche in Ludewa von innen
Kirche von innen

Während des Gottesdienstes, der mindestens zwei Stunden geht – ich habe mir sagen lassen, das sei für tansanische Verhältnisse sehr kurz – gibt es in der Regel mehrfach Kollekte. Dabei gehen alle nach vorne und können je nach Behältnis, in welches man das Geld legt, über dessen Verwendung mitentscheiden. Teilweise gibt es auch Sachspenden, die am Ende des Gottesdienstes versteigert werden. Oft werden die zuvor ersteigerten Dinge, beispielsweise einige Avocado, ab und zu mal ein Huhn, dem Pfarrer geschenkt. So zumindest in Ludewa. Außerdem geht man als Frau mit Rock in die Kirche.

Nicht nur im Gottesdienst, sondern auch in der Schule ist es Pflicht, als Frau einen Rock zu tragen. Die Röcke oder sonst Hosen sollten dabei länger sein als das Knie, auch darauf, die Schultern zu bedecken, wird bei beiden Geschlechtern Wert gelegt. Getragen wird viel vor Ort Geschneidertes, man geht mit seinem gekauften Stoff zum Schneider und sagt diesem, was man daraus möchte. Ansonsten kann man Second Hand-Kleider auf dem Lembuka, einem großen Markt, der einmal im Monat stattfindet, kaufen. Neben Kleidung findet man hier Stoffe, Schuhe, Geschirr und andere nützliche Dinge. Es herrscht ein buntes Treiben und es ist schön, über den Markt zu schlendern, wenn sich schon mal eine Freizeitmöglichkeit bietet.

Grüße aus einem schönen Örtchen im Süden Tansanias,

Katharina

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Lembuka

Reisebericht #1 Iringa und Daressalam

Reisebericht #1 Iringa und Daressalam

Als über Weihnachten die Schule für die wohlverdienten Ferien geschlossen wurde, nutzte ich, gemeinsam mit drei anderen Freiwilligen, die Zeit um mehr vom Land zu sehen, in dem ich nun bereits ein halbes Jahr lebe. Unsere Reise führte uns vom Süden Tansanias einmal quer durch das Land über Iringa und Daressalam bis nach Sansibar.

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Iringa

Wir starteten unsere Reise wie wir sie auch beendeten: mit viel Zeit im Bus. So stiegen wir um sechs Uhr in der Frühe, die Sonne war gerade aufgegangen, in den Bus in Ludewa. Nach nur vier Stunden (ich habe für die gleiche Strecke auch schon 6h gebraucht), gab es einen kleinen Zwischenstopp in Njombe, wir kauften durch das Busfenster Sambusa (kleine dreieckige und sehr leckere Teigtaschen) und verweilten weitere sechs Stunden auf unseren Plätzen, bis der Bus in Iringa ankam.

Dort wurden wir von zwei anderen deutschen Freiwilligen, die in Iringa arbeiten und bei denen wir die kommenden Tage unterkommen durften, in Empfang genommen. Wir besuchten gemeinsam ein Café, welches in einem alten, aber frisch renovierten Gebäude aus der Kolonialzeit beheimatet ist. Ich muss zugeben, ich war geflasht vom Duft des frischen Kaffees in Kombination mit dem Schokoladenkuchen, den anderen Weißen, die man in der Stadt sah und dem Kühlschrank, dem Toaster und der warmen Dusche bei den beiden Freiwilligen daheim. Und vermutlich war ich am erschrockensten darüber, von welcher Art Dinge (die in Deutschland alltäglich sind) ich nach so kurzer Zeit zu schocken war.

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In Iringa besichtigten wir die ,,Stone Age Site‘‘, eine ehemalige Ausgrabungsstätte mit Funden aus der Steinzeit. Heute steht aber hauptsächlich die Landschaft, es fiel die Bezeichnung Mini -`Grand -Canyon‘ – im Mittelpunkt.

Außerdem schauten wir die Stadt an (schön), schlenderten über den Markt (Früchte soweit das Auge reicht) und aßen Burger in einem Restaurant, in welchem Gehörlose arbeiten. Man schreibt einfach seine Bestellung auf (cool!).

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Daressalam

Am nächsten Morgen, der Nikolaus hatte uns etwas in die Schuhe gelegt, was uns den Weg zum Busbahnhof versüßte, machten wir uns auf zum Bus, welcher uns nach einem Tag Fahrt in Daressalam absetzte. Die Zeit über veränderte sich auch der Blick aus dem Busfenster und mit ihm die Palmendichte in der Umgebung.

In Daressalam, der größten Stadt Tansanias, angekommen, machten wir vier uns auf zum Hostel. Uns wurde sogar von den Tansaniern gesagt, wir sollen vorsichtig sein (wenn die Tansanier das sagen, ist es wirklich ernst zu nehmen). Übersetzt heißt Daressalam übrigens ,,Haus des Friedens‘‘.

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Nach einer warmen ersten Nacht, begann ein noch heißerer erster Tag, an welchem wir einen ,,Historischen Rundgang‘‘, so sagte es der Reiseführer, abklapperten. Dieser beinhaltete alte Kolonialgebäude, unter anderem eine Kirche, die wir auch anschauten. Wir hatten das gesamte Gebäude für uns und durften sogar den Glockenturm besteigen (die Inschrift der Glocke war in einer uns sehr gut bekannten Sprache ;)).

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Was wir sonst noch in Daressalam taten?
Wir gingen in eine Mischung aus botanischem Garten und Park, den wir zufällig entdeckten. Als wir durch die grüne Umgebung schlenderten, stieß ein älterer Herr zu uns, der uns auf ein dutzend Pflanzen hinwies. Er erklärte uns die Verwendung einiger Bäume, deren Herkunft und vieles mehr – es war unglaublich spannend! Mein Highlight waren die Blüten eines Baumes (jetzt weiß ich was als Vorlage für diverse Hawaiiketten dient). Wenn man den Geruch eines angenehm riechenden Tropical-Shampoos nimmt und ihn um das zehnfache intensiviert, kommt man annähernd in die Richtung des Dufts dieser Blüten.

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Anschließend saßen wir Eis essend am Meer. Auf den wenigen Metern vom Supermarkt (lacht nicht, der Supermarkt war etwas Besonderes für mich!) bis zum Strand war es schon beinahe geschmolzen.

Außerdem landeten wir in einer großen Markthalle, kauften Stoffe in den Straßen der Stadt und kamen an einigen Botschaften vorbei. Die deutsche Botschaft war in einem großen, weißen, modernen Gebäudekomplex untergebracht, während man bei manchen anderen Botschaften kaum noch die Namen der Länder auf den Schildern entziffern konnte. Dementsprechend waren auch die Häuser. Ein komisches Gefühl…

Der Abend und somit auch unsere Zeit in Daressalam endete mit einem leckeren Essen. An einer Straßenecke wurde bei Einbruch der Dunkelheit aus dem nichts aus Plastikstühlen ein Restaurant aufgebaut (verschiedene Kombis von Hähnchen und Pommes). Es duftete vom Grill zu uns herüber, während wir gemütlich redend aßen.

Am kommenden Morgen verabschiedeten wir uns von Hannes, unserem Hahn im Korb, er brachte uns noch zur Fähre und wir setzten zu dritt nach Sansibar über.

Was ich mit Lisa und Caro auf Sansibar erlebte – es geht von traumhaften Stränden, über zugleich exotisch und vertraut wirkende Menschen bis hin zu kunstvoll gearbeiteten Türen – berichte ich beim nächsten Mal. Ihr könnt gespannt sein!

Mit reiselustigen Grüßen,
Katharina

Von Weihnachten bis Silvester im Warmen und einer Wanderung an den Lake Nyassa

Von Weihnachten bis Silvester im Warmen und einer Wanderung an den Lake Nyassa

Als Anfang Dezember für meine Schüler die Ferien starteten, ,,Sommerferien“ sozusagen, die den ganzen Dezember umfassten, hatte auch ich frei und nutzte die Zeit, um weitere Teile Tansanias kennenzulernen. Meine Reise führte mich vom Süden Tansanias einmal quer durch das Land über Daressalam bis nach Sansibar. Ein genauer Reisebericht in Kombination mit einer Bilderflut folgt, doch nun ersteinmal zu Weihnachten und Silvester und den Tagen dazwischen:

Weihnachten

Eine Woche vor Weihnachten kamen wir zurück nach Ludewa. Dort wanderte eine Sorte ,,Bredla/ Guzla/ Plätzchen“ nach der anderen in den Ofen und wurde anschließend so transportsicher wie möglich verstaut. Diese Backaktion verleihte den herrschenden Temperaturen von über 30 °C einen Touch weihnachtliches Gefühl und so machten wir uns pünktlich zu Heilig Abend auf nach Tandala, wo wir nach einem Tag im Bus ankamen, um mit einigen anderen Freiwilligen Weihnachten zu feiern.

Am Abend des 24. Dezembers gingen wir gemeinsam in die Kirche. Eine Christbaumlichterkette mit Plastikkerzen wurde als Raumdeko genutzt und im Chorraum stand ein mit Blüten geschmückter Weihnachtsbaum. Dazu erklang die verstraute Melodie von ,,Stille Nacht, heilige Nacht“ und ,,Ihr Kinderlein kommet“ – gesungen auf Suaheli.

Nach dem Gottesdienst waren wir zum Essen eingeladen und machten uns anschließend mit vollen Bäuchen unter einem Nachthimmel, der einen hervorragenden Blick auf die Milchstraße und die Venus bot, auf den Heimweg. Wir liesen den Abend damit ausklingen, Wichtelgeschenke zu tauschen, Bredla zu essen und Weihnachtslieder zu singen.

Doch wie feiern die Tansanier Weihnachten? Auf diese Frage habe ich nur sehr knappe Antworten erhalten: Es sei nichts besonderes, man gehe (der wichtigere Tag ist der 25. Dezember) in die Kirche, anschließend gäbe es Essen, Geschenke gäbe es bei den meisten nicht.
Die Anzahl an Weihnachtsbäumen, die ich während meiner Reise vor Weihnachten durch Tansania gesehen habe, lässt sich an einer Hand abzählen, dabei habe ich während diesen gut zwei Wochen wahrscheinlich mehr von Tansania gesehen als die meisten Tansanier in ihrem Leben. Es gab keine Weihnachtsmusik in jedem Laden und auch keine Zimtsterne im Oktober und ich habe, um ehrlich zu sein, auch nichts davon vermisst.

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in Bulongwa

Am nächsten Morgen machten sich meine Mitbewohnerin Caro, Lisa, eine andere Freiwillige, und ich frühmorgens um 6 Uhr auf den Weg nach Bulongwa, wo Lisa wohnt und im dortigen Waisenhaus arbeitet. Dort angekommen schafften wir es noch pünktlich in die Kirche und gingen anschließend zum Essen ins Waisenhaus. Während die Erwachsenen auf Stühlen am Rand Platz nahmen, saßen die Kinder auf einer großen Bastmatte in der Mitte und auf einer langen Couchtischtafel wurde verschiedenstes tansanisches Essen aufgetischt. Nachdem alle gesättigt waren, wurden ein paar Reden gehalten und anschließend Musikvideos angeschaltet. Besagte Musikviedeos laufen normalerweise in den Bussen in Dauerschleife auf voller Lautstärke und können einen -ok, die Tansanier scheint es nicht zu stören- in den Wahnsinn treiben, doch zu dieser Gelegenheit war es ziemlich schön: Es wurde getanzt und Spaß gehabt und wir hüpften mit den Kindern umher. Es hat unglaubliche Freude bereitet und war ein, ganz anderer, aber sehr schöner erster Weihnachtsfeiertag.

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im Waisenhaus: sämtliche Reißverschlüsse wurden auf ihre Funktionalität getestet

Der zweite Weihnachtsfeiertag startete mit Ausschlafen und dem Wissen, den ganzen Tag frei zu haben. So konnten wir den Tag quatschend und lesend, mit Pulli und unter einer Decke dasitzend, genießen, solange der Regen gegen die Fensterscheibe prasselte. Ja, Tansania ist nicht nur warm 😉 Abends gab es doch noch ein 3-Gänge-Weihnachtsessen und anschließend ein Gewitter. Es regnete nicht und war absolut still, nur der Himmel wurde von Blitzen durchzogen, die die Nacht erleuchteten. Zusammen mit den Wolken bot sich ein fantastischer Anblick und wir standen bestimmt eine Stunde frierend in der Nacht und beobachteten den Himmel.

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Weihnachtsgewitter

1500 Höhenmeter bis an den Malawisee

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zu Beginn der Wanderung

Von Bulongwa aus gibt es eine schöne Wanderung an den Lake Nyassa, auch bekannt als Malawisee, die wir nach einem weiteren Tag Pause in der Kälte Bulongwas antraten. Nach einem Tag Wanderung abwärts verbrachten wir einen Tag am See, um einen Tag später, am letzten Tag des Jahres, den Rückweg nach Bulongwa anzutreten. Pünktlich um 6 Uhr in der Früh, gerade als die Sonne begann aufzugehen, starteten wir mit Lunchboxen im Gepäck, der Straße Richtung Aufstieg folgend. Mit dem Gedanken das nächste Dalla Dalla (kleine volle Busse, die auf Winken anhalten, um einen mitzunehmen) auf uns aufmerksam zu machen, liefen wir los. Nur, dass keines kam. Eineinhalb Stunden und mehrere Kilometer später gabelte uns doch noch eines auf, um uns 10 Minuten später am Fuß des Berges wieder aussteigen zu lassen. Von dortaus starteten wir voller Elan den Aufstieg. Wir stiegen bergauf und bergauf und bergauf und die Aussicht wurde von Meter zu Meter besser. Die Umgebung ging von der Landschaft am See über zu ,,Dschungelbuch“ und wandelte sich letztendlich zu ,,Heidis“ Alm und mit jedem Höhenmeter den wir erklimmten, verfestigte sich die Frage, wie wir diesen steilen Abhang zwei Tage zuvor hinuntergekommen waren. Nach 1500 Höhenmetern in 6,5 Stunden mit 2 Vesperpausen und einem Regenguss, traten wir letztendlich glücklich oben aus den Wolken.

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Lake Nyassa

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oben angekommen

Silvester

Silvester verbrachten wir also wieder in Bulongwa. Als wir nach unserer Wanderung dort ankamen, waren Lisas Mitbewohner, zwei superliebe Schweden, bereits dabei das Essen vorzubereiten. So feierten wir zu fünft mit Wraps Silvester, zählten die Sekunden bis Mitternacht, wünschten uns ein gutes neues Jahr und schauten in den Himmel. Anstatt Feuerwerk gab es Sternschnuppen 🙂

Den ersten Januar verbrachten wir nochmal zusammen im Waisenhaus, bevor wir einen Tag später den Heimweg nach Ludewa, die Ferien und somit auch unser Urlaub gingen vorbei, antraten.

So ging ein ganz anderes, aber sehr schönes Weihnachten und Silvester vorüber. In der Zwischenzeit bin ich wieder gut in den Arbeitsalltag gestartet, ich habe neue Schülerinnen und Schüler (hier wechselt das Schuljahr mit dem Kalenderjahr) und in der Schule gibt es viel zu tun, aber das ist eine andere Geschichte.

Liebe Grüße, Katharina

Massai in Jeans

Massai in Jeans

Wie vor einer ganzen Weile angekündigt, kommt hier mein Bericht über den Massaimarkt!

Vor einiger Zeit ging es für mich in die Landesmitte Tansanias auf einen Sprachkurs, um meine Suaheli-Kenntnisse –die Landessprache Tansanias- zu verbessern. Da in der dortigen Region Massai ansässig sind, waren auch einige der Sprachlehrer Massai und mir bot sich die Möglichkeit, mit ihnen einen Massaimarkt zu besuchen.  Anstatt wie sonst in Jeans und T-Shirt, kamen sie an diesem Morgen in ihren traditionellen Kleidern. Die Kleidung der Frauen bestand aus zwei einfarbigen Tüchern in dunkelblau oder lila mit weißer Borte. Auch die Männer kleideten sich mit zwei Tüchern, wovon eines die Hüfte umhüllte, während das andere über eine Schulter geschlungen wurde. Zu den in Rottönen gemusterten Tüchern kam ein Gürtel, an welchem neben einem Messer und einem Schlagstock häufig, vor allem bei den Jüngeren, eine Smartphonehalterung zu finden war. Die dazugehörigen Schuhkombinationen reichten von traditionellen Sandalen bis hin zu Sneakers.

Bereits auf der Hinfahrt begegneten uns die ersten Massai, die mit ihren Kühen unterwegs waren und je näher man dem Markt kam, desto mehr Rinderherden säumten das Umland.tansania-296

tansania-292Der Rundgang begann im vorderen Teil des Marktes. Hier wurden hauptsächlich Ziegen gehandelt und es roch nach gegrilltem Ziegen- und Kuhfleisch, das an Spießen über Feuern briet. Nachdem wir die mit Stroh gedeckten Marktstände passiert hatten, kam der Platz, an dem die Tiere, deren Fleisch auf dem Markt zu kaufen war, geschlachtet wurden. Die nicht direkt verwendeten Teile wurden sorgfältig sortiert: So gab es angrenzend einen Haufen für Innereien, einen für Kuhhäute und so weiter. Dahinter kam der Hauptteil des Marktes, der Rindermarkt. Man sah hunderte von Tieren, die von Männern in roten Massaigewändern – Frauen sah man keine – in kleineren Grüppchen gehalten wurden. Angebunden war keines der Tiere, sie wurden mit Stöcken zusammengetrieben, während fleißig gehandelt, gekauft und verkauft wurde. Nicht nur für mich war es sehr interessant, wir stellten wohl auch selbst eine kleine Attraktion dar und wurden teils fotografiert, immerhin laufen nicht jede Woche einige junge Weiße mit jungen Massai über den Massaimarkt.tansania-301

tansania-307Mit einem dieser jungen Massai, er war einer der Sprachlehrer, hatte ich die Chance noch ausführlicher zu reden. Er hat berichtet, dass sein Vater gleich drei Frauen hat, was früher normal gewesen sei, sich in der Zwischenzeit aber geändert habe. Während er eines von sechs Geschwister nur bei seiner Mutter sei, komme er mit zusätzlich 17 Halbgeschwistern auf eine große Familie. Neben der Heirat mehrerer Frauen, sei es zudem üblich gewesen, bereits in jungen Jahren – die Zahlen drehten sich bei den Mädchen um die 10, bei den Jungen um die 15 Jahre – verheiratet zu werden. Doch auch hier haben sich die Zeiten geändert: er würde nur eine Frau heiraten und zwar aus Liebe. Außerdem sei es zwischenzeitlich auch nicht mehr schlimm, eine ,,Nicht-Massai“ zu heiraten. Somit fällt auch der ehemalige Brautpreis, er hat ihn auf ca. 15 Kühe geschätzt, weg.

Während die Massai heute sesshaft seien, die Kinder in die Schule schickten und sich kleideten wie die anderen auch, waren sie bis vor kurzem durch das Nomadenleben, welches sie führten, bei der restlichen Bevölkerung nicht sonderlich beliebt, denn ihre Tiere weideten auf fremdem Land.

An jenem Tag hing ich zusammen mit einigen anderen Deutschen förmlich an den Lippen jenes Massais. Es war überaus spannend, seine persönlichen Ansichten und Erfahrungen geschildert zu bekommen, vor allem über den Wandel des ehemaligen Nomadenvolks, welcher sich in den letzten Generationen vollzogen hat. Hätte ich es nicht gesagt bekommen, so wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, dieser junge Mann, der sonst Jeans trägt, könnte vom Stamm der Massai sein.pixlr_20161206104217108

Natürlich sollte man nicht außer Acht lassen, dass es sich hier um die Erzählungen eines einzelnen Massais und den Markt eines einzelnen Massaistamms handelt, nichts desto trotz war es interessant, hautnah zu sehen, wie einerseits Rinder gehandelt und traditionelle gemusterte Stoffe verkauft wurden, man nebenher aber auch Radios kaufen konnte. Auch ich probierte die, nicht nur lecker riechende, sondern auch gut schmeckende gegrillte Ziege und kaufte einen rot-gemusterten Massaistoff – Made in Bangladesh. Auf jeden Fall war es faszinierend einen Einblick in eine der vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen Tansanias zu bekommen.

Mit weihnachtlichen Grüßen, trotz über 30˚C,

Katharina

,,Vegan mit Ei“ vs. Ugali mit Bohnen

,,Vegan mit Ei“ vs. Ugali mit Bohnen

In diesem Blogeintrag soll sich alles in irgendeiner Weise ums Essen drehen. Vom Essen in der Schule, was wir daheim so kochen, vom Einkaufen auf dem Markt und was es eigentlich alles zu kaufen gibt.

In der Schule

An meiner Arbeitsstelle, der Chief Kidulile Secondary School, wird täglich für die ca. 600 Schülerinnen und Schüler, sowie die Lehrer gekocht. In der Schulküche, einem extrastehenden, halboffenem Raum wird in riesigen Töpfen Ugali mit Bohnen zubereitet. Ugali ist ein aus Maismehl und Wasser zubereiteter fester Brei, der optisch an Grießbrei erinnert, aber sehr geschmacksneutral ist und außerdem sehr gut sättigt. Zur Mittagessenszeit strömen dann von allen Seiten Schülerinnen und Schüler mit Plastikboxen – sie erinnern mich optisch an die großen viereckigen Tupperdosen, in welchen meine Mama daheim Fleischbrühe einfriert – an, um sich ihre Portion abzuholen. Anschließend suchen sie die meisten ein nettes Plätzchen auf dem Boden oder auf irgendwelchen Steinen, vorzugsweise im Schatten, um zu essen. Gegessen wird meistens mit der Hand, wenige haben auch einen Löffel dabei (auch wenn das jetzt eigentlich nichts mit Essen zu tun hat: Einer meiner Schüler hat den Löffel im Unterricht auch mal als Lineal benutzt).

Das Essen ist jeden Tag das gleiche. Außer mittwochs, da gibt es für die Form 5 und 6, die zwei ältesten Jahrgänge, und die Lehrer Fleisch. Also pro Person zwei walnussgroße Fleischstückchen in Tomatensoße. Wer Gemüse (,,Chinese‘‘, ein in Streifen geschnittenes und gekochtes Blattgemüse) möchte, muss dieses neben der Schulküche zusätzlich kaufen. Abgerechnet wird in Esslöffeln.

Im Lehrerzimmer stehen zur Mittagszeit zwei Gefäße – die Schüler bringen eines mit Ugali, eines mit Bohnen, manchmal einfach in einem Eimer – aus welchen sich die Lehrer bedienen.  Das sieht dann meistens so aus, dass auf Grund der Telleranzahl 4 -5 Lehrer zusammen um einen Tisch herum stehen und ihr Ugali in Bohnen tunken. Soviel zum Essen in  der Schule.

Der Markt und das Einkaufen

So sieht der Markt hier in Ludewa aus. Beim Bildermachen haben wir einen Tag erwischt, an dem die Auswahl groß und das Angebot reichlich war 😉

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die Markthalle von außen
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Marktstand samt unserer Lieblingsmarktfrau, von der wir immer noch etwas geschenkt bekommen

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… Bohnen, Erbsen, …
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… Erdnüsse, Kichererbsen, …







 


Was kostet eigentlich ungefähr…

  • … eine Ananas: 2000 Shilling (knapper Euro)
  • … eine Mango: 500 Shilling (≈ 20ct)
  • … 6 – 8 Tomaten: 500 Shilling (≈ 20ct)
  • … 1kg Kartoffeln: 800 Shilling (≈ 30ct)
  • … 10 Eier: 3000 Shilling (≈ 1,25€) Die Eier werden nicht im 10er-Pack, sondern einzeln in beliebiger Anzahl verkauft 😉

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Trotzdem ist die Art einzukaufen, vor allem auf dem Markt, ganz anders als in Deutschland und zeigt, wie ich finde, gut die Einstellung zum Geld. Anstatt ,,6 Tomaten‘‘ oder ,,500g Gelbe Rüben‘‘, sagt man hier, man möchte Tomaten bzw. Gelbe Rüben ,,für 500 Shilling‘‘. Dies war zu Beginn etwas ungewohnt – ich hatte keine Ahnung, wie viel Tomaten ,,500 Shilling‘‘ entsprechen -, ist in der Zwischenzeit aber völlig normal. Ich finde die Idee, auf den Markt zu gehen und zu schauen, was man für sein Geld bekommt, nachvollziehbar.

Die andere Einkaufsmöglichkeit neben dem Markt stellen die vielen Dukas an der Straße dar. Sie lassen sich am besten als kleine kioskartige Läden, deren Sortiment sich weitgehend gleicht, beschreiben. Dort kann man sich mit Dingen wie beispielsweise Reis, Zucker und Eiern eindecken.

Unser Essen daheim

Unsere Ernährung daheim lässt sich am besten als ,,vegan mit Ei‘‘ beschreiben. Milchprodukte gibt es keine zu kaufen (Milch selber: manchmal, in Glücksfällen), an das Fleisch trauen wir uns nicht wirklich. Da Caro, meine Mitbewohnerin, und ich uns etwas Abwechslung zu Ugali mit Bohnen wünschen, gibt es bei uns daheim so ziemlich alles, was man aus den Dingen, die es hier zu kaufen gibt, machen kann: selbstgemachte vegetarische Burger – inklusive Burgerpatties, frisch gebackenen Burgerbrötchen und selbstgemachtem Ketchup -, Bananengsälz für Nussecken oder Kichererbsen-Gurken-Salat. In keiner Relation dazu, wie viel zu schnell wir alles wieder aufgegessen haben! Da die Zutatenauswahl gut, aber nicht gigantisch ist, zumindest hier bei uns in Ludewa, werden wir schnell erfinderisch. Es geht alles. Zumindest weil wir den Backofen unseres Vermieters im Nachbarhaus mitbenutzen dürfen – ein echter Luxus!

Verarbeitete Produkte hingegen gibt es hier so gut wie keine. So kommt es auch vor, dass wir in der Küche stehen und Erdnüsse zu Erdnussbutter verarbeiten, um aus selbiger anschließend Erdnussbuttercookies zu backen.

Da alles frisch bzw. unverarbeitet ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als alle paar Tage auf den Markt gehen und wenn der Satz ,,wir haben nichts mehr zu essen im Haus‘‘ fällt, hat man wirklich nichts mehr da. (In Deutschland hat man vergleichsweise doch immer noch etwas: mit den vorrätigen Nudeln, Tomaten in der Dose, Schokolade etc. würde man im Notfall zwei Wochen überstehen ;))

Zu guter Letzt gilt noch die Regel ,,Cook it, peal it or forget it‘‘. Diese beginnt bei geschälten Gurken und endet beim abgekochten Trinkwasser – auch für’s Zähneputzen.

Apropos Ende, ich könnte jetzt auch mal zum Schluss kommen. Ich wünsche Euch eine schöne Adventszeit!

Liebe Grüße, Katharina

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…mit lieben Grüßen aus unserer Weihnachtsbäckerei 😉